|
Borreliose-Gefahr bei Hunden: Impfung bietet Schutz
Interview mit Dr. med. vet. Reinhard K. Straubinger, Institut für Immunologie, Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig
 |
| Dr. med. vet. Reinhard K. Straubinger |
Dr. Straubinger ist Fachtierarzt für Immunologie und zählt zu den führenden Experten in Sachen Zecken-Borreliose bei Hunden.
Im Frühjahr bringen Hunde oft gleich eine ganze Handvoll Zecken vom Spaziergang mit nach Hause. Ein Zeckenbiss kann für den Vierbeiner böse Folgen haben: Es können Bakterien übertragen werden, die die Borreliose auslösen, eine entzündliche Gelenkerkrankung. Die Beschwerden sind für den Hund sehr belastend und können ihm die Lebensfreude nehmen.
Frage:
Wie groß ist das Risiko für Hunde, durch einen Zeckenbiss mit Borreliose-Erregern infiziert zu werden? Gibt es Hunde, die besonders gefährdet sind?
Dr. Straubinger:
Das Risiko sich mit Borrelia burgdorferi zu infizieren, ist von vielen Faktoren abhängig. Um sich der Gefahr der Infektion auszusetzen, müssen Hunde in einem Gebiet leben, in dem die Borreliose endemisch vorkommt und somit ein Übertragungszyklus zwischen kleinen Säugetieren (z.B. Mäuse) und Vögeln auf der einen Seite und Schildzecken (v.a. Holzbock, Ixodes ricinus) auf der anderen Seite etabliert ist. Unsere eigenen Untersuchungen haben gezeigt, dass in den heimischen Zeckenpopulationen eine Infektionsrate von 30% keine Seltenheit ist. Natürlich bestimmen der Gebrauch und die Aktivität des Hundes das Infektionsrisiko. Hunde, die sich gerne im dichten Gestrüpp aufhalten, und Jagdhunde sind dafür prädestiniert, Zecken aufzulesen. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass in unseren Breiten das Infektionsrisiko sehr stark von der Jahreszeit beeinflusst wird. Eine ausgeprägte Zeckenaktivität ist in den warmen Monaten (Frühling bis Spätherbst) zu erwarten. Dennoch sind Zecken aber auch an milden Wintertagen aktiv und können dann unter Umständen auf den Wirt übertreten.
Frage:
Wie können Hundebesitzer erkennen, dass ihr Hund an einer Borreliose erkrankt ist?
Dr. Straubinger:
Die klinischen Veränderungen, die dem Besitzer auffallen könnten, reichen von allgemeiner Abgeschlagenheit des Hundes über Bewegungsunlust bis hin zur hochgradigen Lahmheit. Eine für die LymeBorreliose typische klinische Veränderung gibt es nicht. Der Hund entwickelt im Gegensatz zum Menschen keine Hautrötung um die Zeckenbissstelle (Erythema migrans), die auf eine stattgefundene Infektion mit Borrelia burgdorferi hinweisen könnte. Eine eindeutige Diagnose kann nur der behandelnde Tierarzt stellen, dem neben seinem Fachwissen noch spezifische labordiagnostische Untersuchungsmethoden zur Verfügung stehen, die es ihm ermöglichen, spezifische Antikörper im infizierten Hund nachzuweisen.
Frage:
Kann die Borreliose beim Hund behandelt werden? Wird das Tier wieder ganz gesund oder gibt es Spätfolgen der Erkrankung?
Dr. Straubinger:
Die bakterielle Natur des Erregers der Lyme-Borreliose erlaubt es, den Infektionserreger durch Antibiotika aus verschiedenen Stoffgruppen abzutöten. Im Normalfall sprechen die Patienten auf die antibiotische Behandlung gut an und eine rasche Verbesserung des Allgemeinbefindens ist bei einem Großteil der mit Borrelia burgdorferi infizierten Hunden zu erwarten. Dennoch kann auf Grund eingehender Untersuchungen mittlerweile mit einer großen Gewissheit behauptet werden, dass Behandlungen mit derzeit zur Verfügung stehenden Antibiotika nicht zur vollkommenen Auslöschung des Erregers im Wirt führen und einzelne Organismen auch langfristige Therapien überleben können. Ob diese persistierende Infektion zu wiederholten Krankheitsepisoden führen kann, ist nicht eindeutig geklärt. Man muss aber davon ausgehen, dass diese im Wirt verbliebenen, lebenden Lyme-Borrelioseerreger eine nicht zu unterschätzende, langfristige Gefahr für den Patienten darstellen.
Frage:
Seit einigen Jahren gibt es für Hunde eine Impfung gegen Borreliose. Wie sinnvoll ist diese Impfung? Wie wirksam ist ihr Schutz?
Dr. Straubinger:
Die zur Verfügung stehende Impfung verhindert die Lyme-Borreliose, indem sie die Übertragung der Borrelien von der Zecke auf den Wirt bereits in ihren Anfängen verhindert. Die durch die Impfung induzierten Antikörper gegen ein spezielles Oberflächenprotein (OspA) von Borrelia burgdorferi zirkulieren im Blutstrom des Hundes. Bei der Blutmahlzeit nehmen die Zecken mit dem Blut diese Antikörper auf, die dann im Mitteldarm der Zecke an die dort vorhandenen Borrelioseerreger binden. Eine für die Übertragung auf den Wirt zwingend notwendige Wanderung der Borrelien in die Speicheldrüse der Zecke wird somit verhindert. Anzumerken ist aber, dass dieser Mechanismus nur dann effektiven Schutz bietet, wenn eine ausreichende Menge an zirkulierenden Antikörpern im Blut des Hundes vorhanden ist. Diese hohen Antikörperspiegel werden durch regelmäßige Impfung auf einem schützenden Niveau gehalten. Ob diese Antikörper, die durch den derzeit verfügbaren Impfstoff induziert werden, auch gegen andere in Europa vorkommende Spezies aus dem Borrelia burgdorferi sensu lato-Komplex (Borrelia afzelii, Borrelia garinii) schützen, werden noch durchzuführende Laboruntersuchen zeigen müssen.
Frage:
Für welche Hunde ist die Zeckenimpfung zu empfehlen? Wann sollte die Impfung stattfinden?
Dr. Straubinger:
Die Impfung sollte dann eingesetzt werden, wenn ein hohes Expositions- und somit Infektionsrisiko besteht. Dementsprechend sollten Hunde mit viel Freilauf und häufigem Kontakt zu Zecken durch die Impfung vor der Borreliose geschützt werden. Da die Aktivität der Zecken in den warmen Monaten am höchsten ist, sollte bereits zum Frühlingsbeginn oder bei Welpen nach Verlassen der Zucht mit der Impfung begonnen werden, um die Antikörper rasch auf ein schützendes Niveau zu bringen.
Trotz der zur Verfügung stehenden Impfung sollten auch alle anderen Methoden zu Verhütung der Lyme-Borreliose, insbesondere nach verabreichter Impfung, nicht vernachlässigt werden. Zu nennen sind hier vor allem die tägliche Kontrolle des Hundes nach vorhandenen Zecken und das Aufbringen von zeckentötenden oder zeckenabstoßenden Mitteln. Die tägliche Kontrolle des Hundes ist deswegen von besonderer Bedeutung, da die Übertragung der Borrelien von der Zecke in die Haut des Wirtes mindestens 24 Stunden in Anspruch nimmt. Eine frühzeitige Entfernung der Zecken trägt somit zum Schutz des Hundes erheblich bei.
Frage:
Wie vertragen Hunde die Impfung? Gibt es Nebenwirkungen?
Dr. Straubinger:
Der derzeit in Deutschland erhältliche Impfstoff zum Schutz vor der Lyme-Borreliose wird aus Organismen der Art Borrelia burgdorferi sensu stricto gewonnen, die in Kulturmedium vermehrt und anschließend mithilfe spezifischer Labortechniken abgetötet und aufgeschlossen wurden. Um die im Hund induzierte Immunantwort zu verstärken, ist diesem Borrelienlysat, wie dies bei anderen Impfstoffen auch üblich ist, ein Adjuvans beigefügt. Die von uns bisher beobachteten seltenen Nebenwirkungen zeigten sich als lokal begrenzte Schwellung oder als eine sich wenige Stunden nach der Impfung entwickelnde Körpertemperaturerhöhung, die aber nur von kurzer Dauer war (< 24 Stunden).
|