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Home > Kleintierhalter > Hunde > Schutzimpfungen > Die Parvovirus-Infektion des Hundes

 
 
 

Die Parvovirus-Infektion des Hundes: aktuelle Situation

Die Parvovirose ist besonders von Züchtern gefürchtet

Seit 1980 ist die Parvovirose in unserer Hundepopulation verbreitet. Erkrankungsherde flackern immer wieder auf, vor allem in Zuchtzwingern und Hundehaltungen mit hoher Tierkonzentration. Betroffen sind Welpen und Junghunde im Alter von 6 Wochen bis 6 Monaten, weshalb die Parvovirose von Züchtern nach wie vor gefürchtet ist. Einige Rassen sind besonders gefährdet: Rottweiler, Deutscher Schäferhund, Labrador und Dobermann erkranken sehr stark und brauchen am längsten zur Genesung, fall sie die Infektion überhaupt überstehen.

Neue Erregervarianten traten auf

Aus dem ursprünglichen Erreger, dem caninen Parvovius Typ 1 (CPV-1), ging schon vor Jahren eine Variante hervor, die erstmals in den USA erkannt wurde. Sie tritt in zwei Typen auf (CPV-2a und 2 b), welche in Europa etwa gleich stark verbreitet sind. Das durch den Erreger Typ CPV-2a verursachte Krankheitsbild mit den Grundsymptomen Abgeschlagenheit, Erbrechen und blutigem Durchfall ist nach wie vor unverändert. Der Typ CPV- 2b stellte sich dagegen als besonders gefährlich für Welpen heraus. Er verursacht einen explosionsartigen Krankheitsverlauf mit raschem Kräfteverfall und innerer Austrocknung. Die Welpen verenden, noch ehe sich Durchfall einstellt. Fieber weist darauf hin, dass Bakterien über die zerstörte Schleimhaut aus dem Darm ins Blut gelangt sind und sich im Körper ausgebreitet haben (eine Art Blutvergiftung).

Kot infizierter Hunde ist die Hauptansteckungsquelle

4 bis 7 Tage nach Infektionsbeginn beträgt der Virusgehalt bis zu einer Milliarde Erreger pro Gramm Kot! Man hat ausgerechnet, dass damit theoretisch eine Million Hunde infiziert werden könnte. Mit 2 bis 3 Wochen ist die Dauer der Virusausscheidung zwar relativ kurz und wird bei Ausbildung einer natürlichen Immunität unterdrückt. Trotzdem kann der Erreger auf Haarkleid und Haut transportiert und so die Infektion passiv übertragen werden. Welpen infizieren sich auf diese Weise beim Saugen an den Zitzen der Hündin. Ob das Virus bei erkrankten Hunden auch im Erbrochenen enthalten ist, kann vermutet werden. Die Hauptausscheidung erfolgt jedoch mit dem Durchfall, der infolgedessen auch die Hauptansteckungsquelle für andere Hunde ist. Diese von den Ausscheidungen erkrankter Artgenossen fernzuhalten, ist eine wichtige Vorbeugemaßnahme. Der Erreger ist bekanntlich extrem widerstandsfähig, nur wenige Desinfektionsmittel wirken. Im Freien sowie auf nicht befestigtem Boden (z. B. Grasauslauf) hält sich das Virus unter Umständen jahrelang, selbst in Holzritzen. Da ist eine erfolgreiche Desinfektion praktisch ausgeschlossen.

Natürlicher Schutzwall in den ersten Lebenswochen: die passive Immunität von der Mutterhündin

Immune Hündinnen geben Schutzstoffe (maternale Antikörper) an ihre Welpen weiter, eine kleine Menge bereits im Mutterleib, den Hauptanteil in den ersten Stunden nach der Geburt über die Muttermilch. Die mütterlichen Abwehrstoffe sind eine weise Einrichtung der Natur, um das Neugeborene und Jungtier so lange passiv zu schützen, bis sein eigenes Abwehrsystem voll ausgebildet und reaktionsfähig ist. Der passive Schutz wird jedoch sehr uneinheitlich übertragen und im Laufe der Zeit vom Welpen abgebaut. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass schon im Alter von 4 Wochen eine geringe Anzahl der Welpen empfänglich ist, mit 6 Wochen ungefähr 50 % bis 60 % und ab der 8. Lebenswoche fast alle.

Probleme mit der Impfung im Welpenalter

Die mütterlichen Abwehrstoffe haben allerdings eine unangenehme Eigenschaft: Sie stören die aktive Schutzimpfung, wenn sie noch zu konzentriert vorhanden sind. Der Zeitraum, in dem maternale Antikörpertiter beim Jungtier schon zu niedrig sind, um vor Feldvirus zu schützen, jedoch noch die aktive Immunitätsbildung verhindern, wird als „immunologische Lücke“ oder „kritische Phase“ bezeichnet. Sie ist eine Erklärung für „Impfdurchbrüche“ im Welpenalter. Schaukelt sich der Infektionsdruck im Zwinger auf, ist damit zu rechnen, dass die maternale Immunität im frühen Lebensalter versagt. Hinzu kommt, dass in manchen Zuchten ein schlechtes Management hinsichtlich Entwurmung, Hygiene und Ernährung herrscht, was eine optimale Immunantwort vereitelt.

Neue Impfstoff-Typen für Welpen

Das Ziel der Weiterentwicklung moderner Impfstoffe gegen die Parvovirose des Hundes war, die immunologische Lücke zu überwinden und eine wirksame Frühprophylaxe zu ermöglichen. Untersuchungen ergaben, dass die Immunantwort in Gegenwart maternaler Antikörper umso besser ist, je mehr vermehrungsfähige Parvo-Impfviren pro Impfstoff-Dosis verabreicht werden (mit einer oberen Grenze = maximal mögliche Immunantwort). Heute stehen solche speziellen Parvovirose-Impfstoffe zur Welpenimpfung zur Verfügung. Sie werden beispielsweise in Hundezuchten mit parvovirosebedingten Welpenverlusten nach einem speziellen Impfplan vom Tierarzt eingesetzt.

Übrigens konnte der Verdacht nicht erhärtet werden, dass der Impfschutz durch die vorhin bereits erwähnten Varianten des caninen Parvovirus unterlaufen würde. Vielmehr konnte von Experten gezeigt werden, dass zwischen den Typen 1 und 2 wirksame Kreuzimmunitäten bestehen. Das heißt, dass die Parvovirose-Impfstoffe, ob allein oder in entsprechend zugelassenen Kombinationen mit Impfungen gegen andere wichtige Infektionen nach wie vor gut wirksam sind.

 

 

 

 

 

 

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